"Schreibt euere eigenen Geschichten"

300 Absolventen der Berufsschule 1 feiern ihren Abschluss - 25 Schüler mit Traumnote 1,0 – SMV übergibt 21 000-Euro-Spende

Passau. Rund 300 Absolventen haben an der Staatlichen Berufsschule 1, Karl-Peter-Obermaier-Schule, ihren Abschluss gefeiert. 112 Schüler, beeindruckende rund 35 Prozent, erzielten einen Notendurchschnitt von 1,5 oder besser. 25 von ihnen erreichten die Traumnote 1,0. Schulleiter Eduard Weidenbeck verlieh mit Berufsschulverbandschef MdL Walter Taubeneder 19 Buch- und 29 Geldpreise. Die SMV übergab die großartige Spendesumme von 21000 Euro an die Aktion Knochenmarkspende Bayern.

Berufsschulchef Eduard Weidenbeck freute sich über die zahlreichen Besucher. An die Entlassschüler gewandt, sagte er, sie könnten mit dem Abschluss zuversichtlich in die Zukunft sehen. Die Wirtschaft boome. Es gebe einen Rekord an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen und offenen Stellen. Die Anforderungen stiegen aber. Chancen bestünden nur, wenn die Absolventen Wissen und Können weiterentwickeln, auch im Umgang mit modernen Kommunikationstechniken.

"Eines Tages werden wir alt sein und an die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können", sagte Festredner Georg Mayerhofer (37), Landwirt des Jahres 2017 aus Ortenburg, nach einem Songtext von Julia Engelmann. Er rief die jungen Leute auf, mutig zu sein, damit ihr Leben nicht aus "traurigen Konjunktiven" besteht. Er erzählte seine eigene Geschichte. In der Realschule sei es ihm nicht so gut ergangen. Er habe sich geschämt dafür, Landwirt zu erlernen, denn andere wollten etwas "Cooles" werden. An der Berufsschule habe der damalige Leiter Rudolf Schacherl dann in ihm ein Feuer entfacht, das bis heute brenne.

Er habe das Fachabitur nachgeholt, 2006 ein Studium der Landwirtschaft in Weihenstephan abgeschlossen, sei als Fachlehrer für drei Jahre an die Berufsschule zurückgekehrt und dann auf den heimischen Hof, habe ein Studium für nachwachsende Rohstoffe in Straubing absolviert. In der Landwirtschaft sei es derzeit schwierig. Er wolle aber in diesem Metier arbeiten und Dinge besser machen.

2017 habe er sich für den Ceres-Award beworben, in der Kategorie "Ackerbau" und den Gesamtpreis gewonnen. Mit der Auszeichnung wolle er zeigen, was so ein Feuer in Menschen auslösen kann. Er appellierte an die Absolventen, Chancen wahrzunehmen, ihre eigenen Geschichten zu schreiben. Geld sei nicht alles Glück der Welt, sagte der Landwirt, der mit seiner Frau das dritte Kind erwartet.

Die Schülersprecher Martin Madl von der SMV der Berufschule 1 und Moriz Rakus von der Berufsschule 2 überreichten an Manuela Ortmann von der Aktion Knochenmarkspende Bayern eine Spendenscheck über die stolze Summe von 21000 Euro. Die SMV habe im April im Rahmen einer Typisierungsaktion, bei der 1000 Teilnehmer an fünf Tagen typisiert wurden, gemeinsam mit der Berufsschule 2 zu Spenden aufgerufen und auch Betriebe angeschrieben, erzählte Madl. Jede Typisierung könne Leben retten. Die Schüler unterstützten die Aktion mit 10000 Euro, die Betriebe mit 11000 Euro.

"Es war wahnsinnig schön", schwärmten die Absolventen Lorenz Rodler und Simon Sesartic über einen zweiwöchigen Schüleraustausch nach Italien im Rahmen des EU-Programms "Erasmus+" und des Projekts "PADUAR", das sie nach Arco und Padua führte. Sie bauten Getriebe zusammen, probierten ein Testboot auf dem Gardasee aus und prüften Werkstücke, erzählten sie im Dialog. Sie absolvierten einen Schweißer- und zwei Sprachkurse, besichtigten Venedig und hatten "jede Menge guter Laune". Sie könnten das Projekt jedem weiterempfehlen.

Das Abschlusszeugnis liefere für einige Absolventen den verpassten Mittelschulabschluss, für andere stelle es eine deutliche Notenverbesserung dar und für 42 von ihnen bestätige es den Mittleren Bildungsabschluss, sagte stellvertretender Schulleiter Albert Heider. Mit Schulleiter Eduard Weidenbeck, Berufsverbandsvorsitzendem Walter Taubeneder und Berufsvertretern zeichnete er Schüler aus, die sehr gute Leistungen erbrachten sowie durch großes Engagement und beispielhaftes Verhalten Vorbild waren.

Als beste Absolventin nahm Zerspanungsmechanikerin Maria Zillner einen Förderkreispreis und eine Funktionsuhr entgegen. Staatspreisträger sind Fleischerei-Fachverkäuferin Diana Krönauer und Industriemechaniker Roland Hoos.

LBV-Preise erhielten die Landwirte Magdalena Zintl, Josef Menninger und Michael Schmidlehner. DeHoGA-Preise gab es für die Gastronomen Ramona Mühlschuster, Laura Hieringer und Florian Kornexl.
Förderkreispreisträger sind Werkzeugmechaniker Stefan Weiß, die Industriemechaniker Jonas Feilhuber, Johannes Scheuer, Tobias Nigl und Julian Feilhuber, die Kfz-Mechatroniker Felix Dometshauser und Florian Leber, die Elektroniker für Betriebstechnik Alexander Ferazin, Benedikt Knab, Benedikt Reitinger, Andrè Selwitschka und Michael Wagner, die Fachinformatiker Lena Bachhuber und Lukas Schmiedgen, Hotelfachfrau Karen Kirschner und die Köchinnen Eva Aigner und Johanna Simmet.
Berufsschulverbandspreise gingen an den Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik Dominik Bauer, den Fachinformatiker Alexander Fuchs und Koch Stefan Keßler. (PNP vom 28.07.2018)

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