Krieg im Klassenzimmer

"Junge Hunde" vom Theater an der Rott in Karl-Peter-Obermaier-Schule

Passau. Die "Jungen Hunde", eine von Markus Steinwender geleitete Sparte für junges Publikum am Theater an der Rott, wagten sich an die Herausforderung, schwer Vorstellbares begreiflich zu machen. Sie brachten an der Karl-Peter-Obermaier-Schule Janne Tellers Werk "Krieg, stell dir vor er wäre hier" auf die Bühne.

Das junge Team nahm in zwei Vorstellungen die Auszubildenden mit zu einem aufregenden Gedankenexperiment. David Baldessari, Johanna Martin, Constanze Rückert und Max Gnant ließen die jungen Zuschauer in die Haut eines Jugendlichen schlüpfen, der den Krieg und all seine zerstörerischen Begleiterscheinungen erlebt.

Der Clou in Tellers Stück besteht in der Verkehrung der Verhältnisse der realen Welt. Nicht die arabische oder afrikanische Welt versinkt im Chaos des Krieges, sondern Europa. Deutschland will nicht mehr Zahlmeister der EU sein und gerät in ein ausgesprochen nationalistisches Fahrwasser. Das weltoffene Land verkommt zu einem fremdenfeindlichen Staat mit einer unheilvollen "Gleichschaltungspolizei". Dann bricht der Krieg aus. Franzosen, Deutsche, Italiener und Griechen schießen aufeinander. Die Demokratie ist am Ende, faschistische Diktaturen übernehmen die Macht.

Wer dazu in der Lage ist, flieht in den Nahen Osten. Auch dem 14-jährigen Hauptdarsteller gelingt die teure und illegale Flucht nach Ägypten. Obwohl er sich mit seiner Familie durch harte Arbeit eine bescheidene Existenz aufbaut, muss er ein Leben als unterprivilegierter, bestenfalls geduldeter Fremder am Rande der Gesellschaft fristen und auf Rückkehr in eine Heimat hoffen, die nicht mehr existiert.

Dank der schauspielerischen Leistung von Constanze Rückert und Max Gnant konnte das konzentrierte Publikum das Kriegs- und Fluchtszenario authentisch nachfühlen. Die Fluchtgeschichte wurde sinnlich erfahrbar, ermöglichte den Wechsel der Perspektive und ließ Raum für die eigene Phantasie und Vorstellungskraft. Mit dem Gedankenexperiment "Krieg, stell dir vor er wäre hier" bot das Theater an der Rott dem jungen Publikum Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit einem Thema, das brisante Aktualität hat. Dabei wurde die Bühne nicht zu einem Ort für politische oder gar ideologische Auseinandersetzung, vielmehr bot sie einen persönlichen und emotionalen Zugang zu einem schwierigen Thema. (PNP vom 12.04.2017)

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