Industrie 4.0 hält Einzug in die Berufsschule

BS 1 am Fernsehturm für Förderprojekt des Ministeriums ausgewählt – Mehr Zehntklässler haben angefangen – Neubau: Termin bei Regierung steht

Passau. Eine gute Nachricht gibt es für die Passauer Berufsschüler: Die Staatliche Berufsschule 1 ist im Förderprojekt "Industrie 4.0" des Bayerischen Bildungs- und Wissenschaftsministeriums berücksichtigt worden. Dieses Pilotprojekt fördert die Weiterentwicklung der technischen Ausstattung an 17 öffentlichen Berufsschulen. Rund zwei Millionen Euro stehen dazu im Doppelhaushalt 2017/2018 bereit – wie hoch die Förderung für die Passauer Schule konkret ausfallen wird, steht aber noch nicht fest. Über die Förderung freut sich Schulleiter Eduard Weidenbeck: "Weil wir die genaue Summe noch nicht kennen, wissen wir noch nicht genau, wofür wir das Geld ausgeben können, es soll aber in den Bereich Automatisierungstechnik fließen", erklärt er. Neben der Berufsschule 1 in Passau wird in Niederbayern nur die Berufsschule 1 in Straubing gefördert.

Berufsschulen hatten sich mit ihrem Konzept um die Teilnahme an dem Projekt beworben. Die Berufsschule 1 in Passau qualifizierte sich unter anderem durch ihre technischen Zweige – Metalltechnik, Elektrotechnik, Informationstechnik –, ihre Größe mit rund 2600 Schülern oder auch ihre Partnerbetriebe und -schulen. Erst in diesem Kalenderjahr wurde außerdem ein völlig neu konzipierter Raum für Automatisierungstechnik an der Berufsschule in Betrieb genommen (PNP berichtete). Das didaktische Konzept dafür wurde in enger Zusammenarbeit mit den beiden Fachmitarbeitern der Regierung von Niederbayern für Elektro- und Informationstechnik sowie für Metalltechnik und dem Lehrmittelhersteller ETS entwickelt. Im Raum gibt es Systeme von der einfachen binären Steuerung bis hin zu komplexen Regelkreisen. Die Schüler erlernen die Besonderheiten im Zusammenspiel von Mensch, Fertigungsstation und Roboter an mehreren nicht-humanoiden sowie humanoiden Industrierobotern – das, was für Industrie 4.0 gebraucht wird.

Der Freistaat trägt im Rahmen des Projekts 50 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten für die technische Ausstattung, die andere Hälfte übernehmen die jeweiligen kreisfreien Städte oder Landkreise als Träger der beruflichen Schulen. Damit stehen rund vier Millionen Euro für neue technische Ausstattung der Schulen zur Verfügung. Zudem werden die Lehrkräfte an den Berufsschulen weiterqualifiziert. Hierzu werden eigens konzipierte Fortbildungen an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) in Dillingen und an Partnerschulen in den einzelnen Regionen gehalten.

Und noch eine weitere gute Nachricht gibt es: Bayernweit steigen die Zahlen der Berufsschüler – und auch im Landkreis Passau ist zum neuen Schuljahr hin die Anzahl der Zehntklässler, die die erste Berufsschulklasse besuchen, um sechs Prozent gestiegen. 2302 Schüler haben im September in den Berufsschulen in Stadt und Landkreis Passau ihre theoretische Ausbildung begonnen – im Schuljahr davor waren es 2171. Insgesamt besuchen rund 6200 Schüler die Berufsschulen.

Bayernweit haben nicht zuletzt schulpflichtige Flüchtlinge den Abwärtstrend bei den Zahlen der Berufsschüler gestoppt und ließen die Schülerzahl auch im Schuljahr 2016/17 wachsen. 266939 Schüler drückten zuletzt in einer der landesweiten 11854 Berufsschulklassen die Schulbank. Bayernweit gab es zuletzt 110200 erfolgreiche Absolventen – im Schuljahr zuvor, 2015/16, waren es 105900. An den Berufsschulen in Stadt und Landkreis Passau waren es im Juli 2017 insgesamt 1166 Absolventen. Die Zahl der ausländischen Berufsschüler erhöhte sich zuletzt um 11110 oder 33,1 Prozent auf 44720. An den Passauer Berufsschulen sind es 94 Asylbewerber und Flüchtlinge in berufsvorbereitenden Klassen.
Die Schulstatistik verzeichnete seit dem Schuljahr 2009/10 bayernweit einen Rückgang der allgemeinen Schülerzahlen: In dieser Folge, unterstützt durch den Sog des Abiturs, rückten die beruflichen Schulen immer mehr auf die Verliererseite. Die Flüchtlingssituation im Lauf des Jahres 2015 stoppte diesen Trend. Bereits im Schuljahr 2015/16 wurden an Bayerns Berufsschulen zunächst 180 zusätzliche Klassen für junge Asylbewerber und Flüchtlinge eingerichtet, im Zuge dessen verbesserte sich auch die Einstellungssituation für Berufsschullehrer. Als intensive Form des Unterrichts entwickelte Bayern das auf zwei Jahre angelegte Berufsintegrationsjahr in Vollzeit. Im folgenden Schuljahr bot das Land 650 dieser Integrationsklassen an, im Laufe des Schuljahrs 2016/17 wurden sie auf 1150 Klassen ausgebaut.− zds/sus

In der Industrie 4.0 verzahnt sich laut Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums die Produktion mit Informations- und Kommunikationstechnik. In der weitestgehend selbstorganisierten Produktion kommunizieren Menschen, Maschinen, Logistik und Produkte direkt miteinander. Das Ziel: Einzelstücke zum Preis von Massenware und das in höchster Qualität zu produzieren, etwa Sportschuhe mit maßgeschneiderter Sohle oder ein passgenaues und individuell gestaltetes Möbelstück. Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution – nach der Mechanisierung, der Massenproduktion und nach der Automatisierung. (PNP vom 19.10.2017)

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