Flüchtlinge schaffen Mittelschule

27 Absolventen der BAF-Klassen erhalten Mittelschulzeugnisse

Passau. 27 erfolgreiche Absolventen der Klassen für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge (BAF) der staatlichen Berufsschulen 1 und 2 in Passau haben auf einer Abschlussfeier an der Karl-Peter-Obermaier-Schule Passau ihren Mittelschulabschluss gefeiert. Zu ihnen zählt Sizar Diaaeddin, der als Bester die Traumnote 1,0 erzielte. Mit einer Eins vor dem Komma schlossen auch Abdulhamid Azizi (1,25), Kasem Alrached (1,5) und Mustafa Amen Al Rashed (1,75) ab. Raneem Al Khen und Ahmad Kaisar schafften den Qualifizierenden Hauptschulabschluss.

"Man kann, wenn man sich anstrengt, bei uns etwas erreichen", sagte Schulleiter Eduard Weidenbeck. Der erfolgreiche Abschluss solle ihnen Ansporn sein, den Weg weiter zu gehen. Er würdigte das Engagement der Lehrkräfte sowie von Schulleiterin Ursula Pouget von der Mittelschule Hutthurm-Büchlberg und Konrektor Josef Höcker von der Mittelschule Fürstenzell, die als Kooperationspartner fungierten. Die Maßnahme solle eine ständige Einrichtung werden. Er hob auch den Einsatz von Ludwig Schmeitzl hervor, der sich als Ruhestandslehrer zur Verfügung stellte, um die Schüler auf die Prüfungen vorzubereiten. Schulamtschef Werner Grabl beglückwünschte die Absolventen zu ihrem Erfolg und auch die Lehrer, die sie begleiteten. Nun gelte es, weiterzumachen und eine berufliche Ausbildung zu absolvieren.

27 der insgesamt 29 Teilnehmer erwarben nach einer eineinhalbjährigen Beschulung als Externe den Mittelschulabschluss, den deutsche Schüler nach neun Jahren erhalten, sagte Heide Freudenstein. Acht Absolventen nahmen an den "Quali-Prüfungen" teil. Nur zwei schafften sie: Raneem Al Khen aus Hauzenberg und Ahmad Kaisar aus Fürstenzell. Dies sei nicht so beglückend. Doch es gelte, aus Misserfolgen zu lernen. Erstmals beteiligten sich auch Schüler der BAF-Klassen der Berufsschule 2 an den Abschlussprüfungen. Sie lobte die Disziplin der Flüchtlinge. Freudenstein betonte die "wunderbare Zusammenarbeit" mit den Berufsschul-Kollegen und den Schulen in Hutthurm und Fürstenzell. Sizar Diaaeddin spreche schon sehr gut Deutsch. Er wohne in einer WG mit deutschen Studenten.

Er sei zweieinhalb Jahre als Schüler an der Berufsschule gewesen und nun ein bisschen traurig, erzählte Absolvent Amer Mosa. Er freue sich aber auf das, "was kommt". Dass er den "Quali" nicht schaffte, sei schade. Der Mittelschulabschluss sei dagegen ein "Kinderspiel" gewesen. Dennoch sei er froh um die Erfahrung. Der "Quali" sei nur zu schaffen, wenn man sehr, sehr viel lernt von Anfang an. Die Lehrer bereiteten sie gut vor. "Ich hätte mir gewünscht, dass sie uns noch mehr antreiben und pushen", sagte der Absolvent. Ab September besuche er die Pflegefachschule. "Wir haben alle viel gelernt und hatten viel Spaß dabei", schilderten Kasem Al Rasched und Moaaz Al-Zobani. Sie sagten dem ganzen Schulteam ein Dankeschön. "Es war ein tolles Jahr für mich", schilderte Sizar Diaaeddin von der Berufsschule 1. Er habe das Mittelschulzeugnis und Deutschkurszeugnisse erhalten, einen Ausbildungsplatz und neue Freunde gefunden. (PNP vom 03.08.2017)

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