Berufsschule wird "Exzellenzschule"

Zuschlag für das Förderprogramm zur Digitalisierung und Industrie 4.0 ebenso für BS 1 in Passau

Vilshofen. Die Freude in der Metallabteilung war riesengroß, als Schulleiterin Christa Jungwirth über die Entscheidung des Kultusministeriums per Telefonat die Kollegen informierte. "Wir sind dabei. Wir wurden als Exzellenzschule ausgewählt." Prompt kam eine Textnachricht von Fachlehrer Jan Bischof-Tilke: "Wir sind überglücklich!" 43 Berufsschulen aus allen bayerischen Regierungsbezirken, darunter die Berufsschulen Vilshofen und Passau 1, bekamen den Zuschlag für das Förderprogramm zur Digitalisierung und Industrie 4.0.

Nun könne die Vilshofener Schule "einen großen Schritt in die Zukunft gehen", heißt es in einer Pressemitteilung. "Auch Handwerker wie Metallbauer und Metallgestalter benötigen immer präzisere Gerätschaften, die digital gesteuert werden", weiß Fachlehrer Jan Bischof-Tilke.

Die Schule bewarb sich mit ihrem Antrag auf zwei Digitalisierungsfeldern: Beim Ersten handelt es sich um einen 3-D-Drucker sowie um Computersoftware zum dreidimensionalen Zeichnen. Damit können gezeichnete Werkstücke am Computer simuliert und schließlich in dieser Form ausgedruckt werden. "Wir sehen und erleben unsere Umwelt dreidimensional und konnten bisher unsere Ideen und Skizzen fast ausschließlich flach, also zweidimensional, zu Papier bringen. Mit dem dreidimensionalen Zeichnen und Konstruieren wächst die Vorstellungskraft unserer Schüler. In Zukunft werden auch Bauteile auf diese Weise erstellt. Teile, die früher gegossen wurden, druckt man jetzt schon oft digital. Dahin geht die Zukunft", betont Studiendirektor Michael Zink.

"Schweißen lernen am Computer" wird es zukünftig an der Berufsschule Vilshofen heißen. Die Schule wird im Rahmen des Förderprogramms vier computerbasierte Schweiß-Simulationsgeräte anschaffen. "Diese Geräte sind eine faszinierende Lernhilfe. Die Lehrlinge üben vor allem die Handfertigkeiten beim Setzen von Schweißnähten. Am Monitor wird das Arbeitsergebnis visualisiert und ausgewertet. Damit erhält der Azubi direktes Feedback mit genauer Fehleranalyse hinsichtlich der Brennerhaltung, der Schweißgeschwindigkeit, des Brennerwinkels und des Abstands zum Werkstück", erklärt Jan Bischof-Tilke. Schweißen ist eine Schlüsselqualifikation im Metallbau und in der Konstruktionstechnik. Die Simulatoren ersetzen das Schweißen in der Praxis nicht. Doch durch ihren Einsatz wird die praktische Übung in der Schweißkabine um über 60 Prozent reduziert. Das spart sehr viel Material, ist also äußerst umweltfreundlich, sicher und verletzungsfrei – "und wenn dabei mal was schief läuft, ist das Werkstück nicht gleich Ausschuss", hebt Fachoberlehrer Richard Waim hervor. Fachlehrer Jan Bischof-Tilke ist selbst geprüfter Schweißfachmann und weiß, dass sich die Simulationsanlagen an nationalen und internationalen Schweißer-Prüfungen orientieren. Die computergesteuerten Geräte sind damit zur Weiterbildung und zur Prüfung von berufsmäßigen Schweißern verwendbar.

Der Berufsschulverband Passau hat sich schon bei der Antragsstellung bereit erklärt, 50 Prozent der Kosten zu übernehmen. "Nur mit einer bestmöglichen Ausbildung für unsere Jugend können wir den Wirtschaftsstandort Deutschland erhalten und voranbringen", betonte Verbandsvorsitzender Walter Taubeneder, als er die Bescheide des Kultusministeriums jüngst an die beiden Schulleiter Christa Jungwirth (Berufsschule Vilshofen) und Eduard Weidenbeck (Berufsschule 1 Passau) übergab.

Bei der Simulation überträgt der Schweißhelm mit Hilfe von zwei Kameras die Umgebung. Das zu schweißende Werkstück und der Schweißbrenner sind Kunststoff-Attrappen, die man selber halten und führen muss. Beide werden wie in einem Computerspiel eingeblendet. Sobald man sich bewegt, bewegen sich auch die virtuellen Gegenstände. Dabei werden ständig wichtige Informationen wie die Geschwindigkeit und die Handhaltung mit Hilfe von farbigen Symbolen eingeblendet. Grün steht für richtig, rot für fehlerhaft. Ohne große Belehrungen erhält der Schweißer eine Bewertung seiner Tätigkeit in Echtzeit. Lehrer und Schüler besprechen mit Hilfe der digitalen Auswertung danach die Arbeitsweise. Somit lassen sich Fehler von Anfang an ausmerzen und die Fertigkeiten schnell und einfach verbessern. (PNP vom 18.10.2018)

Zurück