Berufsschule will Exzellenzzentrum werden

Neues staatliches Förderprogramm zu Digitalisierung und Industrie 4.0: Passauer und Vilshofener Schulen bewerben sich

PassauVor knapp einem Jahr ist die Passauer Berufsschule als eine von zwei niederbayerischen Schulen für das bayernweite Pilotprojekt "Industrie 4.0" ausgewählt worden. Nun hat das Kultusministerium ein Anschlussprogramm aufgelegt: Ausgewählte Schulen sollen vorangehen im Bereich Digitalisierung. Mit dabei sein wollen auch die Berufsschule1 in Passau und die Berufsschule Vilshofen: Sie bewerben sich als "Exzellenzzentren". Diese erhalten Zuschüsse vom Staat, um ihre technische Ausstattung an reale Industriestandards anzupassen.

So einiges hat die Passauer Berufsschule schon vorzuweisen, wie Walter Taubeneder, Vorsitzender des Berufsschulverbands Passau, erläutert: Zusätzlich zu den Fachschulen für Elektrotechnik und Maschinenbautechnik hat die Karl-Peter-Obermaier-Schule in Passau eine IT-Abteilung. Erst vor wenigen Monaten ist außerdem der 430000 Euro teure Automatisierungsraum in Betrieb genommen worden, in dem Schülern die Besonderheiten im Zusammenspiel von Mensch, Fertigungsstation und Roboter erlernen – in den unterschiedlichsten Systemen, von der einfachen binären Steuerung bis hin zu komplexen Regelkreisen. Rund 1750 Stunden im Schuljahr werden im Automatisierungsraum unterrichtet. Vernetzt ist die Berufsschule nicht nur mit Fachschulen in Schanghai und Shenzhen, sondern auch mit niederbayerischen Unternehmen und bietet in Zusammenarbeit etwa das Fach "Microcontrollertechnik" an. Soweit die bisherigen Errungenschaften der Schule.

Um den Förderrichtlinien des Exzellenzprogramms zu genügen, muss die Schule einen vollständigen Herstellungsprozess abbilden können: Dazu muss für die Bereiche IT, Elektro und Metall Hard- und Software beschafft werden. Für die IT-Abteilung wird das Software-Paket SAP-ME benötigt zur Bearbeitung von Aufträgen aus einem Webshop; für den Bereich Elektro braucht man ein Hochregallager, in dem das Ein- und Auslegen von Produkten automatisiert stattfinden soll – die Schüler lernen so, diese Systeme zu programmieren und konfigurieren; für den Bereich Metall wird ein 3D-Drucker benötigt, um Werkstücke, Muster oder Prototypen herzustellen sowie ein Roboter als Übergabestation zwischen dem CNC-Bearbeitungszentrum und einer Messmaschine.

Die Gesamtkosten für diese Anschaffungen betragen 155000 Euro. Gefördert werden die Kosten mit 50 Prozent, also bliebe eine Summe von 77500 Euro an Eigenanteil für den Berufsschulverband zu zahlen.

Auch die Vilshofener Berufsschule will Exzellenzzentrum werden, da auch im Handwerk die Prozesse zunehmend digitalisiert und miteinander verknüpft werden. Die Metallabteilung hat vor, ein Projekt zur Simulation von Schweißprozessen zu starten. Dadurch sollen die Lehrer Schweißwinkel, Anpressdruck und Schweißnaht beim Schweißen erkennen und so direkt mit dem Schüler an seinen Schwächen arbeiten. Benötigt werden vier Schweißsimulationsgeräte, ein 3D-Drucker, Bildschirm und Kamera sowie Simulationssoftware. Über die Simulationsgeräte erhofft man sich, dass man ohne die üblichen aufwendigen Schutzmaßnahmen in jedem Klassenzimmer schweißen kann und dass dadurch mehr Übungsphasen möglich sind. Zunächst sollen rund 350 Schüler aus den Abteilungen Metall und Bautechnik sowie die BAF-Klassen das neue Modul nutzen. Die Gesamtkosten liegen bei rund 120356 Euro. Bei einer Förderung von 50 Prozent ergäbe dies einen Eigenanteil von 60178 Euro für den Berufsschulverband.

Diese Summen sind nicht in den Haushalt 2018 eingeplant worden – sie müssten komplett vorfinanziert werden und durch eine Kürzung der Planungs- und Baukosten der Berufsschule Vilshofen flüssig gemacht werden – falls sie 2018 noch fällig werden. "Bis der Antrag entschieden ist und wir die Aufträge vergeben können, kann es ohnehin sein, dass die ersten Rechnungen erst im Januar 2019 eingehen. Dann könnten wir das Programm ganz regulär in den Haushalt 2019 einplanen", erläuterten Berufsschulkämmerer Markus Stoiber und Geschäftsleiter Franz Stangl bei der jüngsten Verbandsversammlung. "Wir wissen noch nicht, ob das zum Tragen kommt, aber den Antrag müssen wir jetzt einreichen", sagte auch Vorsitzender Walter Taubeneder. Die Frist endet am 31. Mai. Die Verbandsmitglieder waren einmütig mit dieser Vorgehensweise einverstanden. (PNP vom 05.06.2018)

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