Ausstellung über "goldene Regel"

Weltreligionen sind Thema an der Berufsschule 1 – Fortbildung der Berufsschulreligionslehrer

Passau. "Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst." Diese "goldene Regel" der Weltreligionen ist Thema einer Ausstellung und Fortbildung für Berufsschul-Religionslehrer aus ganz Niederbayern, die unter dem Titel "Weltreligionen, Weltfrieden, Weltethos" an der Berufsschule 1 stattfand.

Die Ausstellung, die nach dem Weltethos-Programm von Hans Küng konzipiert wurde, regt zum gerechten und fairen Handeln, zur Ehrfurcht vor dem Leben und zum friedlichen Umgang miteinander an. Sie zeigt Gemeinsamkeiten der Weltreligionen auf: von Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Judentum, Sikhismus, Bahaitum und der konfuzianischen Lehre. Sie besteht in Grundkonsens über verbindende Werte, Maßstäbe und Grundhaltungen. Die Schau lädt vor allem zum Dialog mit den anderen Religionen ein.

 

"Vom Reichtum der Religionen lernen für das persönliche Leben" lautete auch das Thema der Fortbildung für Religions- und Ethiklehrer an beruflichen Schulen in Niederbayern mit Walter Lange, Referent der Stiftung Weltethos in Nordrhein-Westfalen und Koordinator von "Weltethos und Schule". Er brachte den 22 Teilnehmern nahe, dass der Reichtum der Weltreligionen in ihren Gemeinsamkeiten besteht. 1993 habe das Parlament der Weltreligionen auf Initiative von Hans Küng eine Erklärung zum Weltethos und zu gemeinsamen Grundregeln abgegeben. Ausstellung und Fortbildung sollten anspornen, sich an diese Grundregeln zu halten. Die Religionen würden Impulse geben, wie das Miteinander gelingen kann.

Walter Lange zeigte den Religionslehrern auf, wie sie mit jungen Menschen über Gott ins Gespräch kommen oder ihnen zur Seite stehen können, zum Beispiel, wenn diese sich nur über Leistung definierten. Das Christentum gebe Antworten: Gott liebe jeden so wie er ist. Angesichts der Vielfalt der Kulturen solle die Schule ein Ort des interreligiösen Dialogs sein, jungen Leuten die Möglichkeit bieten, die Weltreligionen kennenzulernen. Dies finde meist mehr in Gemeinschaftskunde, Ethik und Deutsch statt, nicht aber im Religionsunterricht, weil er nach Konfessionen getrennt erteilt wird.

Lange forderte angesichts des steigenden Anteils von Schülern mit Migrationshintergrund einen übergreifenden Religionsunterricht im Klassenverband. Die eigene Religion könne gestärkt daraus hervorgehen, findet er.

An den Berufsschulen im Raum Passau gebe es Berufsintegrationsklassen (BIK-Klassen) mit Schülern aus anderen Kulturen, sagte Religionslehrerin Anna Solka, Fachmitarbeiterin der Regierung von Niederbayern, die mit ihrer evangelischen Kollegin Ute Kusser die Ausstellung organisiert hatte. Christliche Schüler kämen mit Jugendlichen aus fremden Ländern zusammen. Diese sollten mehr über das Christentum erfahren und heimische Schüler könnten den eigenen Standpunkt finden, indem sie über den Tellerrand schauen, betonte Kusser.

Um ein Miteinander zu ermöglichen gelte es, das Gemeinsame der Religionen zu entdecken, sagte Solka. Es sei wichtig, jungen Leuten dieses Verbindende deutlich zu machen und das Bewusstsein zu stärken, "dass wir darauf angewiesen sind, eine gemeinsame Wertebasis zu finden".

"Das Thema ist aktueller denn je", fand Religionslehrer Franz Kufner aus Iggensbach, der die Ausstellung mit seinen Schülern besucht. Weltethos sei gerade in der derzeitigen politischen Weltsituation gefragt. Es gebe mehr Gemeinsames zwischen den Weltreligionen als man glaubt, meinte Claudia Saller aus Kirchberg vorm Wald. Sie erlebe immer mehr Schüler, die keiner Religion angehören, erzählte ihre Kollegin Simone Friedl von der Berufsschule 2. Es sei daher im Ethikunterricht wichtig, gemeinsame Werte zu erarbeiten.

Die Ausstellung "Weltreligionen, Weltfrieden, Weltethos" ist an der Berufsschule 1, Am Fernsehturm 1, bis Ende November von 8 bis 16 Uhr und am Freitag von 8 bis 15 Uhr zusehen. Danach wird sie in den Berufsschulräumen in der Innstraße 71 gezeigt. (PNP vom 10.11.2017)

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