Tickets gelöst für die weitere Lebensreise

Fröhliche Entlassfeier an der Mittelschule Fürstenzell mit originellen Geschenken für Lehrer

Fürstenzell. Ein reisefertig gepackter Hartschalenkoffer mit den Bezeichnungen für neun Herkunftsländer von Asylbewerbern, Geflüchteten und Migranten hat bei der Abschlussfeier der Mittelschule Fürstenzell mehr als Symbolik bedeutet. Heidi Freudenstein von der Berufsschule I in Passau machte damit auf die erfolgreiche Kooperation der beiden Bildungseinrichtungen aufmerksam, die sechs jungen Leuten aus den genannten Nationen den "Quali" beschert hat. "Verlieren sie niemals den Mut", wandte sie sich an die besonderen Adressaten dieser Zeugnisse und schenkte Rektor Josef Höcker ein kleines Signalhorn.

Nach kurzem Üben hinter verschlossenen Türen ließ der Schulleiter Zweifel aufkommen, ob Töne aus diesem Instrument künftig den Schulgong ersetzen werden. Keine Skepsis ließ hingegen der Schulchor mit der gesanglich gestellten Frage aufkommen, wohin die Reise geht nach Beendigung der Schulzeit. "Eine ins Leben", lautete die Antwort im Refrain, der auch bestens zum Bild im Grußwort von Bürgermeister Manfred Hammer passte. "Für euch beginnt nun die Reise in die Zukunft", betonte das Marktoberhaupt, verbunden mit den besten Wünschen, und fügte hinzu: "Das Leben hält auch nach der Schule eine ganze Menge an Prüfungen für euch bereit.

"Das ist heute euer Abend", rief Konrektor Andreas Graf den Absolventen zu, die – wie die von ihm präsentierte Statistik belegte – durchaus Grund haben, stolz auf ihre Leistungen zu sein. So haben in der Klasse 9a von 15 zur Prüfung angetretenen jungen Damen und Herren zehn den Qualifizierenden Hauptschulabschluss geschafft, was einer am bayerischen Landesdurchschnitt sehr guten Quote von 66,67 Prozent entspricht. Tosenden Applaus gab es für die Klasse M10, in der alle 19 Absolventen ihr Ziel des Mittleren Bildungsabschlusses erreicht haben. Als "sehr beachtlich" bewertete Graf ebenso die Erfolgsrate in der Berufsintegrationsklasse (BIK), ein in über die Region hinaus anerkanntes Alleinstellungsmerkmal der Mittelschule Fürstenzell, von 37,5 Prozent.

"Ihr wart keine gewöhnlichen Schüler", gab Christoph Puchner vom Elternbereit im positiven Sinn zu bedenken. Er bezeichnete die Absolventen unter anderem auch als Kämpfer, die durchgehalten und die schwere Prüfung bestanden hätten. "Wir dachten, dieser Tag würde nie kommen", gestanden die Schülersprecher Julia Maily (M 10) sowie Antonia Jäger und Stefanie Oster (9a) in ihrer Rede, die von Dank an alle Mitwirkenden am Erfolg geprägt war. Auch wenn manche Pädagogen bisweilen nervig für sie gewesen seien, so sei ihnen doch bewusst, dass es die Lehrer nur gut gemeint hätten mit ihnen. Den Nutzen von Hartnäckigkeit und Strenge hätten sie jetzt erkannt, bekundeten die Schülersprecher, die auch den Eltern für deren Vertrauen Anerkennung zollten.

Besonders innig bedankte sich BIK-Absolvent Mohammed Tareq Alabdallah bei allen Lehrern der Mittelschule Fürstenzell und der Berufsschule für die Unterstützung auf dem Weg zum "Quali". Seine Dankbarkeit richtete er an alle, "die mich auf den richtigen Weg geführt haben". Insgesamt 16 Jugendliche mit Migrationshintergrund hatten dieses Ziel angepeilt. Während dieses zweijährigen Modells hätten sie in erster Linie Deutsch gelernt, erklärte Lehrerin Heidi Freudenstein, die an die politisch dafür Verantwortlichen Worte des Respekts für die Unterstützung des zum vierten Mal in Folge durchgeführten Projekts richtete.

Mit einer Bergtour, die immer wieder ein Auf und Ab bedeutete, verglich Josef Höcker den Werdegang der Entlassschüler. "Sucht euch Ziele, die zu euch passen", legte er den jungen Leuten ans Herzen und empfahl ihnen, niemals die Bodenhaftung zu verlieren und auch, falls sie auf der Karriereleiter einmal ganz oben stünden, immer zu bedenken, dass jeder einmal klein und ganz unten angefangen habe. Das Gipfelkreuz skizzierte der Rektor als Zeichen für den christlichen Glauben: "Es gibt eine höhere Kraft – ganz oben."

Die Absolventen nahmen ihre Zeugnisse aus den Händen der Klasslehrer Evi Walter (M10) und Lars Feigl (9a) in Empfang. Einer davon ließ seiner überschwänglichen Freude freien Lauf und skandierte: "I hob an Quali g’schafft – Boom."

JAHRGANGSBESTEDen "Quali" mit "gut" bestanden haben in der Klasse 9a Christoph Baumgartner, Simon Hopper, Nikolas Schwitz, Thomas Binder und Daniel Schafflhuber. Die Eins vor dem Komma steht im Zeugnis der Mittleren Reife von Sonja Baumgartner, Anna Lamsfuß, Julia Brunner, Michael Weinzierl und Suzan Falah Hassan. (PNP vom 23.07.2019)

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