Rückwärts einparken – ohne dass es spritzt

Bezirksentscheid der Deutschen Landjugend

Landshut. Geschicklichkeit und viel Wissen waren gefragt beim Bezirksentscheid des Berufsverbands der Deutschen Landjugend in Landshut. Der Sieger kommt aus dem Landkreis Passau.

"Es geht um unsere Lebensmittel, die auf den Tisch kommen", wird der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Gerhard Stadler, später bei der Siegerehrung sagen. Für Markus aus Kelheim, 18 Jahre alt, geht es gerade um etwas anderes. Er muss mit der Palettengabel seines riesigen Frontladers eine Milchkanne voll Wasser aufnehmen und sie durch einen engen Parcours zirkeln. Am Traktor hängt ein zweiachsiger Anhänger. Nach einer Runde muss der angehende Landwirt das Gespann auch noch rückwärts einparken, möglichst ohne zu ruckeln, so dass kein Tropfen Wasser aus der Milchkanne spritzt. "Da trennt sich die Spreu vom Weizen", sagt Preisrichter Alois Ruderer – und da rutscht die Kanne auch schon von der Zinke. Mit lautem Scheppern schlägt sie auf dem Asphalt auf, dass es nur so spritzt. Im Kampf um den Sieg im Bezirksentscheid ist Markus damit chancenlos.

18 angehende Landwirtinnen und Landwirte aus ganz Niederbayern hatten sich auf Kreisebene dafür qualifiziert. Unter dem Motto "Grüne Berufe #landgemacht – Qualität. Vertrauen. Zukunft." fand er am Mittwoch in der Landshuter Landmaschinenschule statt. Ermittelt wurde, wer Niederbayern am 10. und 11. April im mittelfränkischen Triesdorf auf Landesebene vertreten wird und die Chance bekommt, beim Bundesentscheid vom 2. bis 6. Juni am Ammersee dabei zu sein. Neben den Auszubildenden stellten sich in einer eigenen Leistungsgruppe zehn gestandene Landwirte, die sich in der beruflichen Fortbildung befinden, als Zweierteams den Herausforderungen. Und die hatten es in sich.

In einer Werkshalle steht ein Traktor mit Güllefass. Die Lenkwellenabdeckung ist defekt, die Blinkeranlage auch, an einem Rad fehlt eine Radmutter, ein Reifen hat zu wenig Druck und ein elektrisches Kabel ist gerissen. Die Zweierteams müssen zusammenarbeiten: Während einer die Fehler am Gespann finden muss, repariert sein Partner unter den Augen eines Prüfers das Kabel – und das möglichst flott.

Probleme wie diese sind Alltag in der Landwirtschaft. "Im Wettbewerb das eigene Können und Wissen mit anderen zu messen, gibt Selbstbewusstsein. Der Teamgeist und Austausch mit den jungen Berufskollegen sind dabei ein zusätzlicher Ansporn", sagt Stadler. Preisrichter Alois Ruderer drückt es so aus: "Hier sieht jeder, was er kann – und wo er sich noch verbessern muss." Noch pragmatischer sieht es der niederbayerische BBV-Vizepräsident, Alois Bauer: "Es ist nie ganz schlecht, wenn man rückwärts einparken kann."

Auch der theoretische Teil ist anspruchsvoll. Unter Zeitdruck sollen die Teilnehmer Können und Wissen aus dem gesamten landwirtschaftlichen Bereich abrufen – also alles, was mit Tieren, Pflanzen und Technik zu tun hat. Auch Wissen aus Politik, Kunst und Naturwissenschaften ist gefragt. Dieses Mal, der Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt, besonders wichtig angesichts der laut Stadler "vielen aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen": die Öffentlichkeitsarbeit.

Jeder Landwirtist ein BotschafterViehtransporte, Bienenschutz, Glyphosat sind einige der Schlagworte, mit denen die Landwirtschaft sich konfrontiert sieht. Beim Bauernverband hat man längst begriffen, dass dringend am Image gearbeitet werden muss. Jeder Landwirt soll ein Botschafter seines Berufs sein – und in Diskussionen argumentieren können. Es geht schließlich nicht nur um das Ansehen des Berufsstandes, sondern auch um seine Zukunft.

Niederbayern auf Landesebene vertreten wird nun ein Teilnehmer aus dem Landkreis Passau. Gewonnen hat Josef Jodlbauer aus Tettenweis, Zweiter wurde Markus Leeb aus Neuhaus am Inn (jeweils Schüler der Berufsschule 1 Passau, Anm. der Redaktion) und Dritter Stefan Haslbeck aus Unterdietfurt. Bei den angehenden Landwirtschaftsmeistern gewann das Duo Thomas Fleischmann (Markt Erlbach) und Florian Hölzl (Schnaitsee). Den zweiten Platz belegten Robert Hofstetter (Geisenhausen) und Stefan Winner (Eching). Dritte wurden Johannes Radspieler (Wallersdorf) und Thomas Straßmeier (Mitterfels). (PNP vom 22.03.2019)

Zurück