Noten sind wichtig - aber auch der Charakter zählt

Zwölf Berufsschullehrer besuchen im Rahmen des dualen Ausbildungssystems die Firma Knorr in Aldersbach

Aldersbach/Passau (sch). Eine möglichst enge Zusammenarbeit von Ausbildungsbetrieb und Berufsschule ist Grundlage für den Erfolg der dualen Ausbildung. Seit 1998 treffen sich deshalb die Ausbildungsleiter der Metall verarbeitenden Industriebetriebe aus der Region und die Lehrer der Berufsschule I in regelmäßigen Abständen zu einem Erfahrungsaustausch.
"Besuche der Ausbildungsbetriebe ergänzen dabei gemeinsame Projekt- und Lehrplanarbeiten", erklärt der stellvertretende Schulleiter Rudolf Schacherl. Nun waren deshalb zwölf Lehrer der Metallabteilung heuer wieder beim Ausbildungsbetrieb Knorr-Bremse in Aldersbach zu Gast.
Ausbildungsleiter Günther Orthuber stellte eingangs das Unternehmen vor. Knorr-Bremse habe erst kürzlich seinen 100. Geburtstag gefeiert und sich seit seiner Gründung 1905 in Berlin zu dem weltweit führenden Hersteller von Bremssystemen für Schienen und Nutzfahrzeuge. über sechs Tonnen gemausert. Über 11000 Mitarbeiter haben 2004 einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Das Werk Aldersbach, eines von zehn in Europa, gibt zur Zeit 929 Menschen eine Arbeit, die pro Jahr zwei Millionen Stück verschiedenartigste Bremsen produzieren. Damit diese positive Entwicklung auch künftig anhalte, lege die Werksleitung größten Wert auf beste Ausbildung und Weiterqualifizierung der Mitarbeiter.
„Ein Ausbildungsplatz bei Knorr-Bremse ist bei Schulabgängern sehr begehrt. Wir haben jedes Jahr viel mehr Bewerber als wir letztlich einstellen können. Zur Zeit bilden wir 45 junge Menschen aus, die sich auf die Berufe Industrie‑ und Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker und Elektroniker und Industriekauffrau verteilen. Im Herbst kommen noch 16 weitere hinzu", sagt Orthuber. "Einen Quali von mindestens 3,0 müssen sie allerdings schon vorweisen können. Auch Bewerber mit Realschulabschluss haben diese Hürde zu nehmen." Zeugnis sei aber nicht gleich Zeugnis. Orthuber zufolge bestehen zwischen den einzelnen Hauptschulen doch signifikante Qualitätsunterschiede.
Im Zeugnis bescheinigte Leistung gilt es deshalb, in einem betriebsinternen Test zu bestätigen. Alles in allem haben etwa 50 Prozent der Lehrlinge einen Quali, während die andere Hälfte mit Realschulabschluss kommt. Abiturienten seien eher die Ausnahme.
"Mindestens ebenso wichtig wie Zeugnisnoten und Testergebnis ist uns aber ein freundliches, anständiges und gepflegtes Auftreten. Schule und Betriebe können nämlich nicht ausbügeln, was Eltern oft versäumen", mahnt Orthuber. (PNP 08.08.2005) 

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