25 Schüler kochten wie in biblischen Zeiten

Jugendliche von dieser Art Religionsunterricht ganz begeistert - Ausflug des Gastronomiezentrums

Passau (sch). Nach der Bibel gekocht haben Schüler der Passauer Berufsfachschule für Gastronomie. Es war eine ganz neue Erfahrung. Klasslehrer Alois Wimmer und Küchenmeister Werner Huber haben 25 Schüler auf dieser kulinarischen Reise zum Bibelgarten Jägerwirth mitgenommen.
Bei einem Rundgang stellte Religionslehrer Alois Wimmer die dort wachsenden biblischen Pflanzen vor und ging auf ihre Bedeutung für die Menschen in der damaligen Zeit ein. Wimmer: „Essen und Trinken sind in der Bibel allgegenwärtig. Wer sich im Buch der Bücher etwas besser auskenne, der werde sich an das folgenschwerste Eintopfessen im Buch Mose erinnern: Esau verscherbelte für ein unwiderstehliches Linsengericht sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder Jakob.
Unter Anleitung von Küchenmeister Werner Huber bereiteten auch die Schüler als Hauptgericht einen Linseneintopf zu, buken dazu ungesäuertes Brot, stellten einen mit biblischen Gewürzen zubereiteten Aufstrich aus Ziegenkäse her, der gut zu den gereichten Salaten passte. Besonderen Anklang fand auch der mit Honig gesüßte Hirse-Gerstenauflauf. Abgerundet wurde er mit feinem Zwetschgenkompott, das aus frisch gepflückten Früchten des Pfarrgartens bereitet wurde. Damit auch das Ambiente stimmte, waren die Tische mit biblischen Samen und Früchten dekoriert. Sehr beeindruckt zeigte sich stellvertretender Schulleiter Rudolf Schacherl, wie es Wimmer und Huber gelang, so weltliche Dinge wie Essen und Trinken mit dem Bibeltext zu verknüpfen. „Auch und gerade im Religionsunterricht kommt es darauf an, das Interesse der jungen Menschen zu wecken. Das wird jedoch nicht mit langatmigen theologischen Texten zu schaffen sein, sondern mit Dingen aus dem Alltag, die auch verstanden werden.“ Im Grunde hätten es die Autoren der Bibel auch so gemacht: war doch das Alltagsleben zu „biblischer Zeit“ von der Sorge um ausreichend Nahrung geprägt. Gerade das Fach Religion eigne sich besonders, Fachgrenzen zu sprengen und grundlegende Werte und Normen zu diskutieren.“ Schülerin Beatrice Theurich: „Ich hatte in all den Jahren schon viele Religionsstunden, kaum eine hat mir so viel gebracht wie dieser Tag.“ Ähnliche Erfahrung machte auch ihre Mitschülerin Anna-Sophie Richter. „Ich fuhr schon mit einer gehörigen Portion Skepsis nach Jägerwirth, war jedoch von dem Tag positiv überrascht und sehe jetzt einiges mit anderen Augen.“ Auch im neuen Schuljahr haben sich viel für die Berufsfachschule Gastronomie beworben, 25 haben letztlich im Gastronomiezentrum an der Innstraße dort mit ihrer Qualifizierung begonnen. Alles Schulabgänger, die noch keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, jedoch einen gastronomischen Beruf anstreben. Rudolf Schacherl: „Diese Schulform hat sich in den letzten Jahren als ideales Sprungbrett erwiesen. Nahezu 90 Prozent aller Absolventen haben nach der einjährigen Berufsfachschule auch tatsächlich einen Lehrvertrag unterzeichnen können.“ (PNP 16.10.2006) 

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