1000 Tassen ersetzen 40000 Pappbecher

Schluss mit dem Kaffeebecher-Müll: Berufsschulen ersetzen Einwegbecher durch neues Pfandsystem

Passau. An den beiden Passauer Berufsschulen ist Schluss mit dem Kaffeebecher-Müll. Ab sofort gibt es für die Automaten im Pausenverkauf keine Einwegbehältnisse mehr. Ansprechende Pfandbecher aus Porzellan verdrängen die Wegwerfpappen.

Auf Anregung der Schulentwicklungsteams hat die Firma Heller als Caterer der beiden Berufsschulen 1000 Tassen aus Porzellan angeschafft. Sie werden die fast 40000 Pappbecher verdrängen, die Jahr für Jahr die Mülleimer der Schulrestaurants überquellen ließen.

Die Schüler besorgen sich die Kaffeetassen gegen ein Pfand von zwei Euro an der Theke des Pausenverkaufs und geben sie nach Gebrauch auch wieder unkompliziert zurück. Die Azubis können sowohl Heißgetränke einfüllen als auch kühles Nass am Waldwasser-Trinkbrunnen zapfen.

Geboren wurde die Idee im Rahmen des Qualitätsmanagements an beruflichen Schulen (QmbS). Das QmbS-Umweltteam hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Prozessketten im Bereich Abfallvermeidung und Wertstofftrennung zu optimieren.

Nach einer ökobilanziellen Bewertung fiel der Abschied vom Pappbecher nicht schwer. Weil Einwegbehälter aufgrund der Beschichtung teilweise auch aus Kunststoff bestehen, stellen sie nicht nur ein Müllproblem dar. Schon bei der Herstellung verursachen sie einen enormen Wasserverbrauch, verschlingen Ressourcen wie Rohöl und Papier und verschwenden riesige Mengen Energie. Landen Einwegbecher nicht im Müll, sondern in der Landschaft, gelangt immer auch Kunststoff in Böden und Gewässer.

Projektleiter Günther Hölzl verfolgt auch eine pädagogische Zielsetzung: "Wir wollen nicht nur das Müllaufkommen an der Schule reduzieren, sondern auch das Konsumverhalten der Schüler in Richtung Ressourcenschonung ausrichten und für die Themen Abfallvermeidung und Mehrwegverpackungen sensibilisieren."

In diesem Anliegen unterstützt ihn die Religions- und Ethikabteilung der Karl-Peter-Obermaier-Schule. Sie hat in diesem Schuljahr den thematischen Fokus auf Bewahrung der Schöpfung durch nachhaltiges Handeln gelegt. Die Fachmitarbeiterin für Religionslehre bei der Regierung von Niederbayern Ute Kusser lobt den Abschied vom Pappbecher als "kleines, aber wirkungsvolles Zeichen, dass an der Karl-Peter-Obermaier-Schule ein ‚nach mir die Sintflut’ nicht mehr geht".

Ein Blick auf die Statistik bestätigt die Berechtigung des Anliegens. Für koffeinhaltige Muntermacher verbrauchen die Deutschen jährlich fast drei Milliarden Einwegbecher. Sie setzen damit mehr als 80 000 Tonnen Kohlendioxid als Schadstoff-Emissionen frei, und das alles für ein Wegwerfprodukt, das nach wenigen Minuten im Abfalleimer landet.

Mehrwegbecher schneiden bei der Ökobilanz umso besser ab, je häufiger sie genutzt werden. Porzellan eignet sich für Einsatzbereiche, in denen das Bruchrisiko gering ist. Weil die Schulmensen mit Stühlen und Tischen ausgestattet sind, steht einem Einsatz von Porzellantassen nichts im Weg.

Nicht zuletzt ist Kaffeegenuss eine Geschmacksfrage. Zweifelsfrei lässt sich Kaffee aus der Porzellantasse am kultiviertesten trinken. Die Genießer werden sich also über die Verbannung der Einwegbecher freuen. Denn anders als bei Pappe oder Plastik nimmt der Kaffee nicht den Geschmack dieser Materialien an. (PNP vom 04.02.2019)

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