Eine chinesische Delegation holt sich Nachhilfe an der Berufsschule Passau

Lebensmittelversorgung und ökologische Fragen standen bei Gesprächen im Vordergrund

Passau (sch). Vor gut zwei Jahren wurde in China der Partnerschaftsvertrag zwischen den Berufsbildungszentren Pingdu und der Berufsschule I Passau unterzeichnet. Grund genug für den dortigen Schulleiter Miao Xiufang und wichtige Entscheidungsträger der Provinz Shandong, sich vor Ort über das bayerische Berufsbildungssystem zu informieren. Pingdu ist eine der 670 chinesischen Großstädte mit zur Zeit etwas 1,35 Millionen Einwohnern. 6500 Schüler besuchen das dortige Berufsbildungszentrum, das mit Förderung der Hanns-Seidel-Stiftung die Duale Berufsausbildung verwirklichen möchte.
Pingdu selbst gehört zum Bezirk Qingdao. Diese Hafenstadt am Chinesischen Meer (7,5 Millionen Einwohner) ist nicht nur das wirtschaftliche Zentrum der Region, auch touristisch und sportlich hat es einiges zu bieten.
„2008 werden bei uns die olympischen Segelwettbewerbe ausgetragen“, erzählte der Leiter des auch für Pingdu zuständiges Bildungsamtes, Xu Jiangbo. Dass es sich in der Dreiflüssestadt für die chinesische Delegation um einen Arbeitsbesuch handelt, daran ließ das Programm, das Studiendirektor Dr. Andreas Munz vorbereitet hatte, keinen Zweifel. Es umfasste neben dem Besuch der Berufsschule den Kindergarten St. Nikola mit seiner frühkindlichen Umwelterziehung, das überbetriebliche Ausbildungszentrum Kringell, die Ausbildungswerkstätte der Zahnradfabrik, das Adalbert-Stifter-Gymnasium in Passau sowie die Vorstellung der Uni Passau.
Umweltprobleme: Alle Flüsse sind vergiftet
Wie Schulleiter Miao zollten Xu Jiangbao und sein Stellvertreter Yu Yuanbao Dr. Andreas Munz und Josef Voggenreiter großes Lob für ihre Leistungen in der Lehrerfortbildung in Pingdu. So baue Voggenreiter dort eine exemplarische Lehrmetzgerei auf. Dazu muss man wissen, dass die Nachfrage nach Fleischprodukten in China rapide zunimmt: Auf Grund steigendem Volkseinkommens verzehren die Chinesen immer mehr Schwein, Geflügel und Eier, aber auch - in geringerem Umfang - Rind und Milch. Die Inlandsnachfrage übersteige jedoch den Bedarf, so dass neben Getreide große Mengen dieser Produkte eingeführt werden müssen.
Noch gewaltiger als die Versorgung mit Lebensmitteln sind aber die Probleme, die der Wachstumsweltmeister mit der Ökologie habe. Alle großen Flüsse sind vergiftet, 700 Millionen Chinesen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Verschwenderisch gehe auch die Landwirtschaft mit Wasser, Düngemittel und Pestiziden um. Alle Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, die den schonenderen Umgang mit knappen Ressourcen zum Thema habe, seien deshalb das Gebot der Stunde. (PNP 21.07.2006) 

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