"Der Kitt, der den Staat zusammenhält"

Ausgezeichnete Projekte: Die Stiftung der PNP verleiht den Sozialpreis an neun Berufs- und Berufsfachschulen in der Region

Passau. Andere besser verstehen und anderen helfen – das ist soziales Engagement. Und genau dieses Engagement will der Sozialpreis der Stiftung der Passauer Neuen Presse fördern. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an Berufs- und Berufsfachschulen in der Region. Und die haben sich so einiges einfallen lassen. "Es sind tolle Sachen dabei, jedes auf seine Art", freut sich die Stiftungsbeauftragte Eva Maria Fuchs. Und Stiftungsrat Herbert Zelzer sagt: "Wie hoch motiviert junge Menschen sein können, sich sozial zu engagieren und sich damit für das Gemeinwohl einzusetzen, das zeigen einmal mehr die Sozialprojekte der neun Berufs- und Berufsfachschulen, die heute hier ausgezeichnet werden."

Ein interkultureller LernparcoursDie Schülerinnen der ZF 11c (Zahnmedizinische Fachangestellte) der Staatlichen Berufsschule 2 in Passau haben mit ihrem Religionslehrer im Rahmen des Religionsunterrichts und der Schulpastoral etwa einen interkulturellen und interreligiösen Lernparcours entwickelt. Unter dem Motto "Fit for culture and religion – Menschen besser kennenlernen" erstellten sie das Projekt von September 2016 bis Juni 2017. An verschiedenen Stationen lernen die Teilnehmer so Sitten und Bräuche aus anderen Kulturen und Religionen kennen. Sie müssen an Gewürzen riechen und diese richtig zuordnen oder wie bei der früheren Kinder-Quiz-Sendung "1, 2 oder 3" auf verschiedenen Matten hin- und herspringen, um die richtige Antwort zu geben. Wie beim Gedächtnisspiel Memory müssen außerdem Kärtchen mit Symbolen den richtigen Religionen zugeordnet werden. Sogar eine eigene Quiz-App fürs Tablet haben die Schülerinnen entwickelt.

Dass das Projekt nicht nur denen hilft, die es durchlaufen, sondern auch die weitergebracht hat, die es gemacht haben, zeigen einige Zitate der Teilnehmer. "Durch die Projektarbeit wurde mir klar, dass es sowohl Unterschiede als auch einige Gemeinsamkeiten unter den Kulturen und Religionen gibt", erklärt etwa Meriem. Und Stephanie sagt: "Es ist nicht okay, wenn wir Menschen anderer Nationalitäten in Schubladen stecken und ihnen keine Chance geben. Wenn wir sie respektieren, dann klappt auch die Kommunikation besser. Allerdings müssen sie sich auch ein wenig an unseren Werten orientieren." Für ihr Projekt wurden die Schülerinnen mit dem ersten Platz geehrt. Sie dürfen sich über ein Preisgeld von 2000 Euro freuen.

Der zweite Platz und ein Preisgeld von 1500 Euro gehen an die Staatliche Berufs-, Fachober- und Berufsoberschule Regen. Mit einer Theatercollage und einem Theatercafé ",Volltreffer‘ – was trifft, betrifft!" haben die Berufsschüler die Jury überzeugt. Sie spielen Improvisationstheater ohne Worte und setzen sich so über Sprachbarrieren hinweg. Zu Themen wie Trauer, Macht, Ohnmacht oder Einsamkeit werden kurze Szenen gestellt, in denen junge Menschen aus aller Welt teilnehmen können. Auch das Theatercafé legt Wert auf Integration: In einer Art Speeddating bietet es ein Forum für alle Schülerinnen und Schüler, sich gegenseitig zu beschnuppern.

Der dritte Preis und ein Preisgeld von 1000 Euro gehen an die Staatliche Berufsschule I in Traunstein. "Eine Welt und Not im eigenen Land" heißt das Projekt, das damit ausgezeichnet wird. Es läuft seit 1980 ununterbrochen an der Schule und sammelt Geld für Sozialprojekte im In- und Ausland. Insgesamt kamen so im Lauf der Jahre schon 280000 Euro zusammen.

Mit dem vierten Preis und einem Preisgeld von 800 Euro wird die Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe der Kliniken Südostbayern AG in Traunstein ausgezeichnet. Die Jury zeigte sich begeistert vom Nachhilfeprojekt "Anders anders = Einzigartig", bei dem Schüler anderen Schülern beim Lernen helfen.

Die Kaufmännische Berufsschule Deggendorf wird mit dem fünften Preis ausgezeichnet. "Deggendorf gegen Blutkrebs – lassen Sie sich typisieren". Nicht nur alle Schülerinnen und Schüler waren aufgerufen, eine Blutprobe abzugeben − die Schule weitete die Aktion auf die ganze Stadt aus und versuchte, auch die Bevölkerung zu motivieren. 840 Menschen nahmen an der Aktion teil. Und auch eine erste Knochenmarkspenderin ist schon gefunden: Die 19-jährige Jasmin Schaffer, die gerade ihre Ausbildung zur Industriekauffrau in Deggendorf abgeschlossen hat, wird am 31. Juli Stammzellen spenden – und so womöglich ein Leben retten. Als Jasmin davon erzählt, strahlt sie über das ganze Gesicht. Den Patienten wird sie zunächst nicht kennenlernen dürfen – aber allein das Wissen, helfen zu können, freut sie sehr.

Sonderpreise mit je einem Preisgeld von 400 Euro gehen an die Staatliche Berufsschule 1 und 2 in Passau und die Hans-Glas-Schule, die staatliche Berufsschule Dingolfing. Auch diese Schulen hatten in Aktionen gegen Blutkrebs ihre Schüler zur Typisierung aufgerufen.

Einen Geldpreis von 250 Euro verlieh die Jury an die Fachschule für Heilerziehungspflege des KWA Bildungszentrums Pfarrkirchen für das Projekt "Mit Förderschülern im Museum Quintana Künzing". Auch die Berufsfachschule für Altenpflegehilfe des KWA Bildungszentrums Bad Griesbach bekommt 250 Euro – für das Projekt "Lebenserinnerungen von zwei aus Syrien geflüchteten Schülern".

"Die Beschäftigung mit Wertefragen, Haltungen und Toleranz sei es, die all diese Projekte auszeichnungswürdig mache, sagt der Schirmherr der Veranstaltung, Bayerns Kultusminister Bernd Sibler. All die Projekte seien gemacht worden von "hochnachgefragten Kräften, die auf dem Arbeitsmarkt händeringend erwartet werden", fasst Sibler zusammen. "Aber auch das Miteinander spielt eine ganz wichtige Rolle", erklärt er. Und sagt: "Gesellschaftliches Engagement ist wichtig, weil man neue Perspektiven gewinnt. Das ist oft der Kitt, der den Staat zusammenhält". In dieser Hinsicht habe "die PNP-Stiftung Wunderbares geleistet", betont Sibler. Und fügt lächelnd hinzu: "Deshalb muss der Bundespräsident heute Nachmittag auf mich verzichten." (PNP vom 19.07.2018)

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